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radioBERLIN 88,8 Mi, 10.02.2010 | 08:45 Uhr  über „Charlie und der Diamantenräuber“

Charlie heisst eigentlich Charlotte, ist 10 Jahre alt und eine erfahrene Hobbydetektivin. Dieser Fall spielt in New York und ein bißchen Englisch ist auch dabei Wie seinerzeit Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv von Astrid Lindgren, hat auch Charlie Tröndle gewissermassen Assistenten: Ihre Freundin Hanna, deren kleinen Bruder Timmi und dann noch Nellie.
Eine turbulenter Urlaub
Es soll ja eigentlich ganz gesittet zugehen auf dieser Reise nach New York, zu der Charlie von ihrer besten Freundin und deren Eltern eingeladen wird. Aber dann gibt’s Probleme, ein teures Armband ist verschwunden, und ausgerechnet das chinesische Kindermädchen Lin steht unter Verdacht. Das kann natürlich so nicht bleiben, Charlie und ihre Detektivgehilfen greifen ein. Und da vermutlich die meisten 10-Jährigen noch nicht in New York waren, haben sie hier ein schönes kleines Reisebuch, sie lernen eine grosse fremde Stadt auf lockere Art kennen, liest sich gut.

Englisch-Lektion
Ob allerdings der andere Pädagogen-Trick verfängt – das bezweifle ich mal. In New York wird natürlich Englisch gesprochen – und so wird’s dann hier auch aufgeschrieben – und dann für Charlie übersetzt, deren Schul-Englisch reicht nicht ganz für New York.  Das nimmt ihr keiner übel, aber ich finde, man könnte den Kindern auch ein ganz entspanntes Krimilesen gönnen – genau wie bei den Grossen.

Monika Burghard

GEW Buchbesprechung 

GEW Buchbesprechung der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW.
SGR Nordrhein-Westfahlen

Neben der Detektivgeschichte erfährt der Leser hier sehr viel über New York. Zu Anfang des Buches
gibt es gleich einen kleinen Stadtplan von New York, der die wichtigsten Orte der Handlung kennzeichnet. Er ist klar und übersichtlich gestaltet.
Die Beschreibung des unruhigen Lebens in New York findet ausreichend Platz, genau wie die Vielfalt der unterschiedlichen Rassen.
Die Sprache ist klar und verständlich, die Sätze nicht zu lang. Gefühle und Spannung kommen deutlich hervor.
Die Geschichte macht darauf aufmerksam, dass man sich nicht von Vorurteilen oder Meinungen anderer beeinflussen lassen sollte. Viel wichtiger ist es, sich die Hintergründe genauer anzusehen, alle Gegebenheiten zu betrachten und zu kombinieren.
Ein gutes Buch, um Vorurteilen vorzubeugen, Wissen zu vermitteln, sich der englischen Sprache zu näheren und die Lust am Lesen zu bereichern.

Sehr empfehlenswert.

Auswahl an Pressezitaten

Buchtipp: Krimi
Deutschlandradio Kultur/ Sendung Kakadu/ 17.August 2009/
Sendung bei Radio Kakadu über das Buch anhören

„Englisch-Lektion… Kinderkrimi with a little English“
radioBerlin 88,8

„Packend und spannend geschrieben ist der Krimi
„Charlie und der Diamantenräuber“, die kurzen,
eingestreuten englischen Sätze vermitteln
America-Feeling – funny-Ferien-Lese-Futter!“
Bangerang, 07.07.2009

„Im Kinderkrimi „Charlie und der Diamantenräuber“ wartet auf die Freundinnen
Charlie und Hanna ein turbulentes Großstadt-Abenteuer fern  der Heimat.
… in die spannende Handlung hat Autorin Nina Petrick kleinere Lesehappen
in Englisch eingestreut.“
Aachener/Dürener Nachrichten
von Dr. a. Drouve (30.06.09)
Abenteuer in New York 

.. Glaubhaft Detektivgeschichte für Mädchen. Empfohlen.
ekz Informationsdienst für öffentliche Bibliotheken
Reutlingen/ August 2009 von Annkatrin Andrae

„Schwesterntausch“ – Stuttgarter Zeitung, 17.11.2009

Bei einer Klassenfahrt nach Ungarn trifft die zehnjährige Anne auf die gleichaltrige Marie. Sie schaut aus wie ihr Spiegelbild. Schnell wird den Mädchen aus Hamburg und Ostberlin, die zuvor nichts voneinander ahnten klar, dass sie Zwillinge sind. Wie in Erich Kästners Buch „Das doppelte Lottchen“ beschließen sie heimlich zum jeweils anderen Elternteil zurückzureisen. Im Herbst 1989 spielt Nina Petricks gelungene Version vom Schwesterntausch. Der Mauerfall eröffnet am Ende die Chance auf eine  „Familien-Wiedervereinigung“. Ute Krauses flotte Strichzeichnungen akzentuieren die Dramatik, aber auch den Humor von „Zweimal Marie“. Aus unbestechlicher kindlicher Sicht schimmert der Alltag im jeweils anderen Staat mit allen Vor- und Nachteilen auf. Spannend und gefühlvoll erzählt, können kleine und große Leser hier Zeitgeschichte nacherleben – nicht nur zu Jubiläumsanlässen.

„Schwesterntausch“ – Stuttgarter Zeitung, 17.11.2009

Der Kindertipp vom OHRENBÄR auf radioBERLIN 88,8

Buchtipp vom 15. Oktober 2009
Der Kindertipp vom OHRENBÄR auf radioBERLIN 88,8 

„Das doppelte Lottchen“ von Erich Kästner ist ein Kinderbuchklassiker. Jetzt hat Nina Petrick die Geschichte vom Zwillingstausch neu erzählt:
Anne lebt bei ihrer Mutter in Hamburg, Marie bei ihrem Vater in Berlin, in Ostberlin! Bei einer Klassenreise 1989 nach Ungarn lernen sich die Mädchen kennen und beschließen, ganz wie in der alten Geschichte, die Rollen zu tauschen. Was Anne in der Schule der DDR und Marie in einer Hamburger WG erleben, bis die Mauer im November fällt, das ist mit Humor und viel Sachkenntnis über den Alltag in beiden deutschen Staaten erzählt.

„Hits für KIDS“ Herbst 2009 von Maren Bonacker

„Hits für KIDS“ Herbst 2009 von Maren Bonacker
OstWestDeutschland

In der Tradition von Erich Kästners „Doppeltem Lottchen“ bewegt sich Nina Petricks Kinderroman „Zweimal Marie“. Die 10-jährigen Zwillingsschwestern Anne und Marie wussten nichts voneinander und beschließnen nach einem zufälligen Treffen, ihre Rollen zu tauschen.
Der spritzige Roman spielt vor dem Fall der Mauer und bietet mit den beiden Spielorten Hamburg und Ostberlin eine gute Gelgenheit, jüngste Geschichte spannend zu erzählen. So werden die DDR und die BRD vor 1989 auch für denjenigen lebendig, die damals noch gar nicht geboren waren.

Aus der Berliner Zeitung vom 17./18. Oktober 2009 von Cornelia Geissler:

„In der Schule bleiben Stühle leer
Wie Kinder erlebt haben, dass sich die Welt um sie herum dramatisch verändert.

…  „Zweimal Marie“ ist von der versierten Autorin Nina Petrick.Nina Petrick hat mit mehreren Titeln für Kleine und Große bewiesen, dass Leser verführen kann. Diese neue Geschichte von den Mädchen Anne aus Hamburg und Marie aus
Ostberlin, die sich am Balaton begegnen, weil sie dort auf Klassenfahrt sind, ist nicht nur routiniert geschrieben, sondern einfach schön erzählt.
… Petrick erzählt mit leichter Hand, wie sich die Mädchen, in der jeweils fremden Ugebung zurechtfinde und mehrfach fast auffliegen. Das ist spannend und oft sehr lustig. Das welthistorische Geschehen im Hintergrund hilft Anne und Marie schließlich bei der Familienzusammenführung.“

Buchrezension Kinderbuch-Couch

Buchrezension Kinderbuch-Couch – Nina Petrick „Zweimal Marie“

1989. Marie Roemer und Anne Bergmann wohnen in Ost-Berlin und Hamburg.
Sie sind eineiige Zwillingsschwestern und wissen es nicht, denn ihre
Eltern haben sich Anfang der 80er Jahre getrennt. Als Anne eine Baby
war, hat ihre Mutter die DDR illegal über Bulgarien verlassen. Nun
stehen sich die Mädchen nach 10 Jahren zum ersten Mal während eines
Ungarnaufenthalts gegenüber. Die Wahrheit kommt schnell ans Licht und
eine brillante Idee wird in die Tat umgesetzt, die Erich Kästners
Mädchen Luise und Lotte bereits vorgemacht haben.

Die 10-jährige Anne aus Hamburg – Eppendorf freut sich auf die
Klassenreise nach Ungarn an den Balaton. Anne lebt mit ihrer Mutter,
einer gut beschäftigten Journalistin, in einer WG mit Andreas, einem
Fotografen, Toni und ihrer kleinen Tochter Evi. Angeblich ist Annes
Vater gestorben. Wenn Annes Mutter im Stress ist und wirklich viel
arbeiten muss, dann wünscht sich Anne eine normale Kleinfamilie. Aber
eigentlich ist sie ganz froh mit allem, so wie es ist. Sie geht gern
in die Schule, in die Theater-AG und spielt mit ihrer Freundin Julia.
In den Nachrichten wird vermeldet, dass immer mehr DDR-Bürger das Land
über Ungarn verlassen.
Kurz bevor die Reise losgeht, erzählt Annes Mutter der Tochter die
Geschichte ihrer Flucht. Anne dachte immer, sie sei in Hamburg
geboren. Nun erfährt sie, dass die Mutter mit einem gefälschten Pass
über Bulgarien mit ihr, als sie kaum ein halbes Jahr alt war, aus der
DDR geflohen ist. Anne ist sauer, denn ihre Mutter legt immer so viel
Wert auf Ehrlichkeit. Wer weiß, was ihr noch alles verschwiegen wurde?

Als Anne dann in Ungarn mit der Klasse in Tihany ankommt, ist auch
eine Klasse aus der DDR in der Jugendherberge abgestiegen. Anne steht
plötzlich einem Mädchen gegenüber, dass aussieht wie sie. Sie ähneln
sich wie ein Ei dem anderen. Alles ist wirklich gleich, nur die Haare
von Anne sind etwas länger. Die beiden Mädchen sind sehr aufgeregt und
hoffen, dass sie bald miteinander sprechen können. Sie berichten sich
gegenseitig von ihrem zu Hause und Anne erfährt, dass ihr Vater lebt,
denn längst wissen die beiden Mädchen, dass sie Schwestern sind. Alles
stimmt überein, sogar das Geburtsdatum.
Johannes Roemer ist in der DDR ein bekannter Schauspieler. Sie wohnen
im Prenzlauer Berg am Kollwitzplatz und haben eine großzügig
geschnittene Dreizimmerwohnung. Den Mädchen bleibt nicht viel Zeit,
denn die Klassen aus den beiden deutschen Staaten unternehmen nie
etwas gemeinsam. Allerdings lockert sich das im Laufe der Reise. Die
Ost-Berliner Pioniere haben ein straffes Programm und pflegen ihr
Liedgut.

Anne erkennt nun, dass die Mutter sie erneut belogen hat. Auch Marie
ist von ihrem Vater enttäuscht. Beide Mädchen beschäftigt die Frage,
wie denn eigentlich entschieden wurde, wer bei wem nach der Trennung
bleiben sollte. Schnell entsteht die Idee nach einem bekannten
Kinderbuch, die Rollen zu tauschen, um endlich den so lang vermissten
Elternteil in die Arme zu schließen. Bei einem Frisör lässt sich Anne
die Haare schneiden.

Zu viele Fragen beschäftigen die Mädchen. Jede übt nun den Part der
anderen ein, sie legen Listen an und zeichnen Karten von dem fremden
Wohnungen und Lebensräumen des anderen.
Die Lehrer beobachten die beiden Mädchen und wollen sich nicht
einmischen. Aber Frau Brandt, Annes Lehrerin, nimmt sich vor mit Frau
Bergmann zu sprechen.

Auch wenn die Mädchen sich in Gefahr begeben und sich nie gegenseitig
besuchen können, die Mauer trennt sie, wagen sie es. Interessant ist,
dass beide seit vier Jahren Klavierunterricht haben. Anne
schauspielert gern und Marie schreibt gern.
Am Balaton suchen die Mädchen nun zwei gleiche Kieselsteine und
schwören, nie jemanden in ihr Geheimnis einzuweihen.
Anne hat zwar ein paar Probleme damit, die idealisierten Gebote der
Pioniere zu akzeptieren, aber ansonsten geht alles ganz gut. Am
Abreisetag beginnt das Abenteuer. Die Lehrer sind beim Abschied auch
in einer eigenartigen Stimmung, denn irgendwie stehen die politischen
Zeichen auf Veränderung.

Marie sitzt nun im Bus nach Hamburg und freut sich auf ihre Mutter.
Alles klappt gut bis zu dem Moment, wo Evi die neue Anne sieht. Sie
erkennt sofort, dass dieses Mädchen nicht die richtige ist. Alle
lachen und sagen, das liegt an der neuen Frisur und doch irgendetwas
stimmt nicht. Alles läuft gut, auch Julia ist nicht mehr eifersüchtig.
Nur die Theater-AG liegt Marie im Magen, denn sie soll ausgerechnet
die Hauptrolle spielen.

Anne gefällt es beim Vater ausgezeichnet. Sie entdeckt genauso wie
Marie in ihrem Zimmer, dass sie den gleichen abgeliebten Teddy
besitzen. Ein Stück Vertrautheit kehrt ein, obwohl Anne sich an die
doch triste Umgebung erst einmal gewöhnen muss. Aber sie sammelt
fleißig Altpapier und gewöhnt sich an den Gestank in den Straßen von
den knatternden Trabbis. Beide Mädchen umschiffen geschickt jede
Klippe, die trotz guter Vorbereitung dann auf sie zukommt. Anne kann
den Ofen nicht heizen und Marie fühlt sich vom Warenangebot überfordert.

Als Marie dann im Supermarkt Pesto und Penne, zwei Begriffe, mit denen
sie nichts anfangen kann, nicht findet, ist sie kurz vorm
Zusammenbrechen. Sie trifft Julia und ihr verrät sie das Geheimnis.
Julia gelobt nichts zu sagen. Aber da hat Frau Brandt schon den Brief
geschrieben, den Marie zu Hause nicht mehr verschwinden lassen kann.
Alles löst sich auf und die Mauer fällt. Eine gute Gelegenheit, um von
Hamburg nach Berlin zu fahren und die Familie wieder zusammenzuführen.

Nina Petrick schafft es mit Leichtigkeit, ohne die Handlung mit
politischen Hintergrundinformationen zu überhäufen, die Atmosphäre
dieser aufwühlenden Zeit vor 20 Jahren kurz vor dem Mauerfall in einer
unterhaltsamen Geschichte wieder in Erinnerung zu rufen. Die Berliner
Autorin bringt die unglaubliche Geradlinigkeit kindlichen Denkens
genau auf den Punkt. Anne und Marie können nicht fassen, dass beide
Eltern sie angelogen haben und nun müssen sie, trotz möglicher
Probleme, handeln. Immer wieder aus dem Perspektivwechsel von Anne und
Marie erzählt Nina Petrick vom spannenden Geschehen. Die Mädchen
vertauschen die vertraute Umgebung und tauchen in unterschiedliche
Welten ein, die zwar geographisch gar nicht so weit auseinander
liegen, aber durch die Mauer unüberwindlich sind. Anne und Marie
reisen in deutsche Städte, „die beide zu Deutschland gehören, aber
ihnen jeweils genauso fremd sind wie der Südpol“.

Sehr dezent, mit Humor aber ehrlich beschreibt die Berliner Autorin
die Unterschiede zwischen Ost und West und doch tritt dieser Aspekt
nicht in den Vordergrund. Nina Petrick bleibt in der Gedanken- und
Gefühlswelt der zehnjährigen Kinder und baut nur ab und zu ein paar
Komplikationen, bedingt durch die Unkenntnis der Mädchen, ein, die die
Kinder mit Witz und Einfallsreichtum überbrücken können. Die Eltern
vermuten nicht, dass sich ihre Kinder treffen könnten und so bemerken
sie auch gar nicht den Tausch der Mädchen. Sie schreiben die
beobachteten Veränderungen, eher einem Entwicklungsschub der Kinder zu.

Interessant ist, dass Nina Petrick am Beginn der Geschichte die
Neugier der Klassen aus dem Osten und Westen aufeinander nicht in den
Hintergrund drängt. Die Schüler aus Hamburg wollen wissen, was
Thälmannpioniere während ihres Aufenthalts im Ausland so veranstalten.
Auch die Lehrer kommen sich näher und durch sie fließen immer wieder
Informationen ein, die den Zeithintergrund verdeutlichen. Als die
Mädchen den Rollentausch beschließen, gewinnt die Geschichte an Fahrt.
Mutig sind die beiden Mädchen und sehr selbstbewusst, denn wer seine
Kinder belügt, der wird auch hinters Licht geführt. Aber eigentlich
ist ja eher die emotionale Seite in dieser Geschichte das wundervolle.
Wie berührend der Augenblick, als die Mädchen ihren so vermissten
Elternteil endlich in die Arme schließen können. Nina Petrick hat sich
beim Schreiben für das Präsens entschieden. Dadurch rückt die
unterhaltsame, sehr kurzweilige Verwechslungsgeschichte ganz nah an
den Leser heran.

Fazit:

Spannend und unterhaltsam liest sich diese Sommergeschichte von Anne
und Marie, die dann im November 1989 ihr glückliches Ende findet. Das
Happy End versöhnt und scheint doch nicht an den Haaren herbeigezogen.
Eine gelungene Geschichte – nicht nur für Mädchen. Und eins ist klar,
Erich Kästner wäre sicher zufrieden.

Karin Hahn

Interview mit Nina Petrick für die Kinderbuch-Couch: Karin Hahn

Interview mit Nina Petrick
für die Kinderbuch-Couch: Karin Hahn

Quelle: http://www.kinderbuch-couch.de/interview-nina-petrick.html

Nina Petrick lebt mit ihrer Familie in Berlin-Schöneberg. Nach dem Germanistik- und Kunstgeschichtsstudium arbeitet sie seit 12 Jahren als Autorin für verschiedene Verlage ( dtv – Die unglaubliche Fledermaustante, Charlie und die Halstuchbande, Charlie und die Diamantenräuber, Boje Verlag – Prinzessin für einen Tag, Luzies zweite Chance u.a.). Außerdem schreibt sie regelmäßig Geschichten für die Rundfunksendung „Ohrenbär“, sie bietet Schreibwerkstätten an und geht auf Lesereisen. Wer mehr über Nina Petrick und ihre Bücher wissen möchte, sollte sich ihre Website anschauen: www.nina-petrick.de.

Die Berliner Autorin vertieft sich gern in Kinderbücher, ob es nun aktuelle Neuerscheinungen oder die Klassiker von Erich Kästner sind. Vor 60 Jahren erschien sein Kinderroman „ Das doppelten Lottchen“. In „Zweimal Marie“ nimmt Nina Petrick die Kästnersche Grundidee auf, denkt sich aber eine völlig neue Handlung über getrennte, eineiige Zwillinge in den beiden damaligen deutschen Staaten aus.

Ich baue immer Autobiographisches ein, auch wenn ich für kleinere Kinder schreibe oder für Jugendliche, was ich erlebt habe, ein schönes oder trauriges Gefühl fließt sowieso immer mit ein …Nina Petrick

Kinderbuch-Couch: Ein wichtiges Datum: 20 Jahre Mauerfall. War das Kinderbuch „Zweimal Marie“ eine Auftragsarbeit vom Tulipan-Verlag oder wolltest du gern über diese Zeit schreiben?

Nina Petrick: Nein, ich wollte schon immer eine Trennungsgeschichte schreiben. Ich habe beobachtet, dass in meinem Umfeld und in der Klasse meiner Tochter viele Kinder in Patchworkfamilien oder nur mit einem Elternteil leben und so entstand die Idee, dieses Thema aufzugreifen. Da ich Erich Kästner gern lese, bot sich sein „Doppeltes Lottchen“ an, aber es gibt ja in der Weltliteratur noch mehr Beispiele, in denen es um getrennte Zwillinge geht. Aber mir hat dieser Ausgangspunkt gefallen. Es war auch sehr knifflig sich eine gut gebaute Handlung auszudenken, die den Leser überzeugt.

Kinderbuch-Couch: In deinem Buch taucht das Kinderbuch von Erich Kästner nur indirekt auf, die Mädchen erinnern sich an die Geschichte vom Rollentausch der Zwillinge. Wie wichtig ist Erich Kästner für dich?

Nina Petrick: Ich mag Erich Kästner sehr gerne und habe ihn als Kind auch viel gelesen, alle Bücher eigentlich mehrmals und habe dann später auch meiner Tochter alle Kästner-Bücher vorgelesen. Im Studium haben wir uns dann intensiv mit seiner literarischen Arbeit beschäftigt und da störte dann doch diese moralische Haltung. Aber sein Gerechtigkeitssinn überzeugt mich heute immer wieder. Und wie aktuell er weiterhin ist, dass zeigt ja auch „Das doppelte Lottchen“.

Kinderbuch-Couch: Dein Buch endet mit dem Mauerfall vor 20 Jahren, Anne und Maries Familien werden sozusagen wiedervereinigt. Wie hast du diese Zeit erlebt und war es schwer sich zurück zu erinnern?

Nina Petrick: Das war nicht so schwer, weil ich die Zeit sehr bewusst erlebt habe. Vor 20 Jahren habe ich noch studiert, habe in Westberlin gelebt und natürlich hat es sich schon abgezeichnet, wenn man die Nachrichten gehört hat, dass irgendetwas passieren wird. Aber wirklich damit gerechnet, dass jetzt die Mauer fällt, hat man nicht. Und ich habe bis spät abends gearbeitet und dann den Fall der Mauer verschlafen. Erst am nächsten Tag habe ich die Trabis gesehen. Das war verrückt, aber alle haben sich gefreut. Auf einmal konnten wir ohne große Anträge nach Ostberlin spazieren. Wir in Westberlin mussten ja schriftliche Anträge stellen, die bewilligt werden mussten, die Westdeutschen konnten ja mit ihrem Pass einfach jederzeit nach Ostberlin oder in die DDR, wir nicht, und das war schon ein tolles Gefühl.

Meine Kinderbücher, z.B. von Peter Härtling wurden immer einkassiert, weil die nicht erwünscht waren in der DDR und Stofftiere wurden abgetastet als hätte man da sonst was drin geschmuggelt. Nina Petrick

Kinderbuch-Couch: Und kannst du dich erinnern wie es als Kind war, von Westberlin aus in die DDR zu fahren?

Nina Petrick: Ja, meine Eltern sind Künstler und wir hatten so ein Auto, das denen immer verdächtig vorkam und wir wurden immer rausgewunken. Das ganze Auto wurde durchsucht. Meine Kinderbücher, z.B. von Peter Härtling wurden immer einkassiert, weil die nicht erwünscht waren in der DDR und Stofftiere wurden abgetastet als hätte man da sonst was drin geschmuggelt. Meine Eltern fanden das absolut erniedrigend, ich habe das gar nicht verstanden, was das eigentlich sollte. Fand es aber auch schrecklich. Als Kind fiel mir auf, dass es bei meiner Oma in Thüringen schon viel weniger gab. Die Leute waren ärmer, aber sie wirkten nicht unglücklich. Man hatte das Gefühl, es gibt einen tollen Zusammenhalt, der vielleicht auch aus der Not heraus entstanden ist.

Kinderbuch-Couch: Wie weit fließen auch autobiographische Details in den Roman ein?

Nina Petrick: Ich baue immer Autobiographisches ein, auch wenn ich für kleinere Kinder schreibe oder für Jugendliche, was ich erlebt habe, ein schönes oder trauriges Gefühl fließt sowieso immer mit ein. Nun habe ich zwar keine Geschwister und meine Eltern haben sich nicht getrennt, aber hier habe ich mir einfach vorgestellt, wie ist es, wenn man als Kind aus Ostberlin kommt, wo ich selber als Kind eben auch war, weil meine Oma in Thüringen gewohnt hat. Wir waren auch öfter in Ostberlin und ich habe sehr bewusst diesen Gegensatz erlebt. Dieses triste Ostberlin, auch wenn da schöne Altbauten standen, die Fassaden waren grau, die Straßen waren leerer, es war im Winter auch sehr kalt, da die Straße sehr, sehr breit sind, es gab weniger Bäume. Der Gegensatz dann dazu Hamburg, diese reiche, weiße Stadt, mit den Luxusautos, den Geschäften, wo einfach alles da ist. Also das ist schon autobiographisch gewesen.

Kinderbuch-Couch: In „Zweimal Marie“ spielt das Leben der Thälmannpioniere eine wichtige Rolle. Wie hast du recherchiert?

Nina Petrick: Ich habe viele Leute befragt, die in der DDR aufgewachsen sind und in meinem Alter oder älter sind und sich an die Zeit noch gut erinnern können. Dann habe ich viel im Internet gegoogelt, viel gelesen und habe mir dann ein Bild zusammengesetzt. Das hat mich doch lange beschäftigt und ich hoffe auch, dass alle Fakten stimmen. Obwohl natürlich die Zwillingsgeschichte im Vordergrund steht, die Hintergrundinformationen müssen korrekt sein.

Kinderbuch-Couch: Marie und Anne ahnen nicht, in welche Gefahr sie ihre Familien und sich selbst beim Rollentausch bringen?

Nina Petrick: Nein, das ist ihnen gar nicht bewusst, dass sie zwei Welten tauschen. Also einerseits kriegen sie ja mit, okay, es gibt die Mauer, die teilt nicht nur Berlin als Stadt, die teilt wirklich Deutschland in zwei Welten und ihnen ist in der Tat gar nicht so bewusst, dass sie, wenn sie wollten, gar nicht so ohne weiteres zurück könnten. Dass es Probleme gibt. Das denke ich, ist für Zehnjährige glaubwürdig, für Dreizehnjährige wäre es natürlich nicht mehr glaubwürdig.

Kinderbuch-Couch: Um für Kinder zu schreiben, erinnert man sich sicher an seine eigene Zeit als Kind, aber Kindheit heute ist ja ganz anders. Belauschst du auch mal deine Tochter und ihre Freunde?

Nina Petrick: Das wird sie mir später irgendwann vorhalten, aber ich höre da schon gut zu, weil Schriftsteller wie ein Schwamm sind und alles aufsaugen. Aber ich schreibe selten eins zu eins dann ganze Sätze auf, sondern es sind eher einzelne Worte, die wie so ein Stichwort sind, um darum dann eine Geschichte zu spinnen.
Ich denke, das hat auch Erich Kästner mal gesagt, man muss nur an das Kind denken, das man selber einmal war und sich zurück erinnern. Dann fällt einem auch wieder viel ein, was einem als Kind gefallen hat oder was einen gestört hat.

Kinderbuch-Couch: Für deinen ersten Roman „Die Regentrinkerin“ für Leser ab 14 Jahren hast du den Peter-Härtling-Preis erhalten. Jetzt, so ist mein Eindruck, schreibst du doch lieber für jüngere Leser?

Nina Petrick: Ja, das hat sich so ergeben. Absurderweise habe ich erst für Erwachsene geschrieben, da habe ich richtig im Stücke-Theater eine Lesereihe geleitet mit Tanja Dückers, die damals nur Lyrik geschrieben hat. Und dann hatte ich auf einmal Lust, ein Jugendbuch zu schreiben und habe irgendwie die Idee gehabt, über ein melancholisches Mädchen zu schreiben. Witzigerweise heißt sie auch Anne, wie das Mädchen aus „Zweimal Marie“. Dann habe ich neben dem Jobben und Studieren geschrieben, habe von dem Peter-Härtling-Preis erfahren und das Manuskript eingereicht. Ich hatte mir ein Jahr gegeben, um als Autorin zu landen und das hat geklappt. Ich habe vier Jugendbücher geschrieben. Aber dann habe ich entdeckt, es ist auch so spannend für Kinder zu schreiben, obwohl ich diese Trennung so ein bisschen schwierig finde, weil eigentlich schreibt man ja für Leser. Ich finde es als Erwachsener auch sehr interessant Kinderbücher zu lesen. Ich habe das gar nicht bewusst entschieden, das hat sich auch aus dem ergeben, was ich gern erzählen wollte.

Kinderbuch-Couch: Gibt es Themen, die dich immer wieder beschäftigen?

Cover von Zweimal Marie

Nina Petrick: Ich schreibe gern über Themen, die auch in der Erwachsenenliteratur eine Rolle spielen. Immer wieder geht es auch um Liebe und Freundschaft oder Verlust von Freundschaft. Wichtig ist mir auch Freundschaft in der Pupertät, Menschen die durch die Pupertät gehen, sich verändern, entwickeln, das finde ich eine spannende Zeit. Und dann die Fantasiephase, dieses Alter, wo man sich noch alles vorstellen kann, diese Zeit, in der Kinder noch nicht so vernünftig – ach, das ist so ein komisches Wort- ich meine die Zeit, wo die Kinder noch nicht so eingetaktet sind und vieles noch offen ist und sie an so vieles noch glauben.

Kinderbuch-Couch: Aufgefallen ist mir auch, dass in deinen Geschichten oft Mädchen im Mittelpunkt stehen?

Nina Petrick: Das wirkt wahrscheinlich so, aber das möchte ich eigentlich gar nicht. Ich würde eigentlich gern für Leser schreiben.

Kinderbuch-Couch: Im Band „Charlie und der Diamantenräuber“ sind auch Passagen in englischer Sprache eingefügt. War das deine Idee oder eine Vorgabe des Verlages?

Nina Petrick: Das war schon meine Idee, weil ich dachte, wenn die Kinder nach New York fliegen, wirkt es merkwürdig, wenn sie nur deutsch sprechen. Wir haben dann viel hin und her überlegt, wie wir das machen. Wie wollten auch nicht, dass der Englischanteil dann zu groß wird, weil die Kinder in der vierten Klasse ja erst zwei Jahre Englisch haben. Vieles erklärt sich auch aus dem Kontext und die schwierigen Worte finden sich übersetzt am jeweils unteren Rand.

Kinderbuch-Couch: Werden die Charlie-Bände fortgesetzt?

Nina Petrick: Von mir aus schon, aber es soll keine Reihe werden, sondern eher ein Einzeltitel. Es gibt Reihen, die sind so schnell runtergeschrieben. So soll das nicht sein. In das Charliebuch habe ich viel Arbeit investiert, für die Recherche und ich würde auch gern wieder ein neues Charliebuch schreiben. Einen Krimi.

Kinderbuch-Couch: Verfolgst du die aktuellen Trends, die sich im Kinder- und Jugendbuchmarkt abzeichnen?

Nina Petrick: Ja, natürlich. Ich bin nicht dabei, eine Vampirgeschichte zu schreiben (lacht), aber klar, ich verfolge Trends. Ich lese auch ganz viele Kinderbücher, ich schreibe aber schon das, was ich schreiben möchte. Ich habe auch eine Hexengeschichte geschrieben, die bei „Ohrenbär“ gelaufen ist und auch bei Tulipan erscheinen wird, denn dieses Thema hat etwas zeitloses. Hexengeschichten gibt es und wird es immer geben.

Kinderbuch-Couch: Herzlichen Dank für das Interview.